Maria Neophytou

Maria Neophytou

Maria Neophytou ist Systemische Familien- und Paartherapeutin, Coach und Autorin.

Eltern sein

Nichts hat einen stärkeren Einfluss auf die Kinder,
als das ungelebte Leben der Eltern.

Warum tun sich manche Eltern so schwer in der Erziehung ihrer Kinder? Woran liegt es, dass manchen von uns das natürliche Gefühl abhanden kommt, Kinder groß zu ziehen? Welchen Einfluss hat die eigene Geschichte in der Beziehung zu unseren Kindern? Und steckt nicht manchmal in dem Versuch es genau anders zu machen als die eigenen Eltern, doch am Ende das Gleiche drin, nur versucht ganz anders? Egal, was wir tun, wir entkommen uns nie. Ich liebe diese sehr klugen Sätze, von so klugen und tiefsinnigen Menschen.

Alles, was wir tun, hat immer eine Auswirkung auf uns selbst, auf unsere Beziehungen und natürlich auch auf die Beziehungen zu unseren Kindern.
Wir werden mit und durch unsere Kinder ein ganzes Stück erwachsener, größer, reifer, verletzlicher und auf eine besondere Art und Weise stetig herausgefordert. Herausgefordert in den alltäglichen Lebensrealitäten und Situationen. Herausgefordert sich der eigenen Geschichte zu stellen. Herausgefordert in den eigenen häufig unbewussten Entwicklungsschritten, die vor uns liegen. Es zeigt sich gerade dann, wenn wir Eltern werden oder sind, wie bewusst oder unbewusst wir im Kontakt mit uns selbst sind und wie gut wir mit unserer eigenen Herkunftsgeschichte in Verbindung sind.

Wenn wir Eltern werden, begegnen wir unserer Vergangenheit und unserer Herkunft in unterschiedlichen Momenten mal mehr oder weniger, ob wir das wollen oder nicht. Sie zeigt sich uns nicht immer in gleicher Gestalt und auch nicht immer an denselben Stellen. Aber natürlich ist sie da und hat eine dauerhafte Auswirkung auf unserer Kinder und unsere Beziehung zu ihnen.

Im Zusammenleben mit unseren Kindern lernen wir langsam uns an unsere Kinder anzupassen, wir lernen gemeinsam mit ihnen, wie Eltern sein geht. Genauso müssen unsere Kinder andersherum lernen einen Platz zu finden, in dieser ihrer Familie, in unserem Leben, und auch sie müssen lernen sich anzupassen an unsere Lebenswelten.

Sie erleben mit uns ihre ersten essentiellen Beziehungserfahrungen. Sie lernen Beziehungen zu leben. Sie schauen sich genau an, wie wir Erwachsenen Beziehungen so gestalten und wie wir das so machen mit unseren Beziehungen. Kinder tun in der Regel nicht das, was wir sagen, sie tun in der Regel das, was wir tun. Wir können uns demnach darauf verlassen, dass den Kindern nichts von dem entgeht, was wir ihnen vorleben. Denn Kinder kommen mit einem sehr feinsinnigen Instinkt zu uns. Sie spüren alles, auch die unausgesprochenen Dinge, Themen und Emotionen. Selbst die, die wir versuchen mit voller Kraft zu verstecken.

Wichtig ist, dass wir uns dessen als Eltern immer wieder bewusst werden. Kinder machen uns alles nach. Denn wenn wir dieses Wissen verinnerlichen, dann wird es leichter für uns einen guten Leitfaden zu bekommen, wie wir als Eltern mit unseren Kindern sein wollen.
Wir können uns immer wieder darauf besinnen gute Vorbilder zu sein. Die Entscheidung liegt bei uns, wie das aussehen soll. Es geht nicht darum, dass wir keine Fehler machen dürfen. Auch das gehört dazu. Wir müssen keine Helden sein. Darum geht es nicht. Kinder brauchen Vorbilder, keine Helden, keine Heiligen als Eltern.

Doch es kommt vor, dass sich in die Beziehungen zu unseren Kindern etwas einschleicht, das uns Eltern in unserem Umgang mit den eigenen Kindern verunsichert. Solange die eigenen Themen unbewusst bleiben, mischen sie sich zwangsläufig in die Beziehungen zu unseren Kindern. Es passiert wiederholt, dass wir Dinge mit unseren Kindern versuchen auszuhandeln, die mit ihnen nichts zu tun haben. Entweder triangulieren wir sie in der Form, dass sie herhalten müssen, stellvertretend für Konflikte, die wir haben in anderen Beziehungsdynamiken. Das passiert dann, wenn es uns nicht gelingt in der eigentlichen Beziehung, in die die Dynamik oder das Thema gehört, die Dinge für uns zu klären.
Oder wir versuchen, wo es nur geht, unsere Kinder zu schonen, um nicht in die eigenen erlebten Muster unserer Kindheit zu tappen, da wir denken, wir müssten sie vor den Dingen bewahren, die wir selbst erlebt haben und nicht wiederholen wollen. Auch kann es sein, dass wir aus einem schlechten Gewissen heraus versuchen unsere Kinder vor bestimmten Lebensrealitäten zu bewahren und sie dadurch nicht lernen für ihr eigenes Verhalten Verantwortung zu übernehmen.
Und genau in diesem Bewahren liegt oft eine Vermeidung wirklich mit den eigenen Kindern in Kontakt zu gehen. Das kann so weit gehen, dass wir vor lauter Angst, die Beziehung zu unseren Kindern zu gefährden, alles durchgehen lassen und oder über uns ergehen lassen. Häufig ist es so, dass Eltern aus einer gefühlten Schuld heraus Dinge vermeiden. Sie fühlen sich schlecht, versuchen etwas auszugleichen, weil sie denken, die Kinder haben es eh schon so schwer.
Eine andere Entwicklung kann da hingehen, dass wir unsere Kinder «Parentifizieren».
Das heisst, dass wir versuchen uns etwas bei unseren Kindern zu holen, was wir eventuell nicht in unserer Partnerschaft bekommen oder sogar noch tiefer in der Vergangenheit, von unseren eigenen Eltern nie bekommen haben. Verständnis, Fürsorge, Loyalität, bedingungslose Liebe… um nur ein paar von diesen Bedürfnissen zu benennen.
Damit entsteht eine Verschiebung im ganzen Familiensystem und unsere Kinder übernehmen bewusst unbewusst eine Aufgabe, die kaum ein Kind gerne macht. Sie fühlen sich verantwortlich für unsere Bedürftigkeit. Sie machen es aus Liebe zu uns. Aber sicher nicht gerne. Und für ihre eigenes Großwerden ist es nicht gesund. Wenn alles gut läuft, wehren sich die meisten Kinder irgendwann dagegen. Zum Glück.

Wenn diese Dynamiken in uns unbewusst bleiben, werden unsere Kinder uns das mit großer Wahrscheinlichkeit nicht danken. Wie gesagt, es geht nicht darum fehlerlos zu sein, das können wir nicht und das sollte auch nicht unser Anspruch sein. Niemand kann das. Alle Eltern machen Fehler. Wir sollten jedoch Rückgrat haben und die Bereitschaft hinzusehen und dadurch für unsere Kinder sichtbar zu werden. Wir sollten lernen als Erwachsene uns auch unseren Kindern zuzumuten. Das schafft Beziehung und Kontakt auf Augenhöhe. Nicht Schonung und Vermeidung.

Kinder spüren alles. Sie sind nur manchmal nicht in der Lage es richtig zu zuordnen. Wenn wir versuchen durch unsere eigene Vermeidung ihnen diesen guten Instinkt abzutrainieren, hat das einen starken Einfluss auf die Entwicklung der Persönlichkeiten unserer Kinder und unserer Beziehung zu ihnen.

Kinder danken es uns nicht, wenn wir versuchen unsere ungelösten Themen auf sie zu übertragen oder versuchen sie zu vertuschen. Auch werden sie es uns nicht danken, wenn wir uns nicht um uns selbst kümmern und unsere Kinder als Ausreden verwenden etwas nicht zu tun.
Wenn in uns etwas nicht lebendig sein darf, stirbt ein anderer Teil in uns. Der Versuch auf etwas für die Beziehung zu verzichten, kostet die Beziehung in jedem Fall einen hohen Preis. So ist es, in fast jeder Beziehung.

Ganz elementar ist, dass auch die Beziehung, die wir als Eltern miteinander haben, zusammen oder getrennt, einen elementaren Einfluss auf unsere Beziehungen zu unseren Kindern hat. Nicht die Struktur sagt etwas über die Qualität von Beziehungen innerhalb einer Familie aus. Sondern der Umgang miteinander. Kinder schauen sich genau an, wie wird miteinander umgegangen? Welcher Ton herrscht? Wie werden Dinge durchgesetzt in dieser Familie? Was muss ich tun dafür, um Aufmerksamkeit zu bekommen? Wann bekomme ich das, was ich möchte? Wie wird sich verhalten in den unterschiedlichsten Situationen? Im Umgang miteinander? Im Umgang mit anderen? Im Ausverhandeln unterschiedlicher Bedürfnisse? In der Übernahme der eigenen Verantwortung? Im Verhalten in Konfliktsituationen? Im Umgang mit den eigenen Wünschen und Zielen? In Krisen?
Mit den eigenen Grenzen? Und wie wird in dieser Familie kommuniziert?

In meiner Arbeit mit vielen Paaren und Eltern, die zu mir kommen, versuche ich diese Haltung immer wieder zu vermitteln.

»Es macht keinen Sinn, Kinder zu erziehen, sie machen uns eh alles nach.«
Karl Valentin

»Kinder machen nicht das, was wir sagen, sondern das, was wir tun.«
Jesper Juul

Wie wohl fühle ich mich als Mutter? Wie will ich als Mutter sein?
Wie wohl fühle ich mich als Vater? Wie will ich als Vater sein?
Sind mir meine unbewussten unliebsamen Themen
bekannt aus meiner eigenen Geschichte?
Welchen Teil meiner Geschichte wiederhole auch ich in
der Beziehung zu meinen Kindern?
Wovor möchte ich meine Kinder bewahren?
Was wäre gut, dass meine Kinder das von mir wüssten?

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